Geführt am 30.06.2025
Das müsste im Jahr 2022 gewesen sein.
Das hat ein Jahr gedauert.
Bisher haben wir 8 Mitarbeitende über talents4.eu gefunden. Drei weitere Mitarbeitende haben uns wieder verlassen und sind nach Spanien zurückgegangen.
Also wir haben festgestellt, dass wir verstärkt auf die unterschiedliche Umgangskultur achten müssen. Das heißt also, die Menschen aus südeuropäischen Ländern gehen miteinander offensichtlich viel körperlicher um als wir das tun. Das haben wir am Anfang bestimmt nicht so gut berücksichtigt. Das war das „Negative“.
Um das Positive zu sagen: also wir fahren gut damit, dass wir das klar kommunizieren – auch bei den Mitarbeitenden, in den Kitas. Das ein Jahr lang keine Elterngespräche und keine Beobachtungsgespräche durchgeführt werden. Also ein Jahr kriegen die neuen Mitarbeitenden Zeit, sich da noch in die deutsche Sprache besser einzuarbeiten. Alles andere wäre tatsächlich eine Überlastung.
Wir haben vor allen Dingen in den ersten beiden Runden schon dafür gesorgt, dass wir in der Gemeinde eine Vertreterin hatten, die sich bereit erklärt hat, sich zu beteiligen und bei Arztbesuchen und Behördengängen zu unterstützen. Das wurde allerdings wenig in Anspruch genommen, da die spanischen Mitarbeitenden sich per WhatsApp vernetzt und sich gegenseitig geholfen haben.
Was andere Communities angeht, haben wir nichts in Richtung Freizeitbeschäftigung gemacht, da auch hier die Vernetzung gegeben war.
Wie schon gesagt, bekommen die Mitarbeitenden dafür 1 Jahr Zeit.
Das hat bisher bei uns sehr gut funktioniert.
Also ich muss ganz ehrlich sagen: Sorgen habe ich mir keine gemacht, weil ich habe sie und ihr Unternehmen kennengelernt und das schien mir relativ gut strukturiert, sonst hätte ich es auch nicht gemacht.
Also wenn sie es so wollen, habe ich mir, bevor ich mit ihnen gesprochen habe, Sorgen gemacht und mich gefragt: „Was mag das für ein Unternehmen sein? Ja, also irgendeine dubiose Arbeitsvermittlung, die da nur Geld verdienen will?“ Und dann haben wir zusammen gesprochen. Sie haben Referenzen genannt und dann haben wir festgestellt: „Okay, die scheinen ordentlich zu arbeiten!“
Wie schon gesagt, arbeiten die spanischen Fachkräfte etwas „körperlicher“. Da kommt auch schon mal die Frage: „Ach, man darf den Kindern kein Küsschen auf den Kopf geben?“.
Ansonsten merkt man, dass die Mitarbeitenden Spaß mit zur Arbeit bringen und der sich auch auf das bestehende Team positiv auswirkt. Man merkt den Leuten an, dass Sie gerne 39 Stunden am Kind arbeiten, statt vorher 50 Stunden beim Corte Ingles (Anm.: eine spanische Warenhauskette) an der Kasse. In Spanien ging es für die oft nicht anders.
Eine Mitarbeiterin gibt mittlerweile einen Spanischkurs für die Kinder. Das macht Spass und kommt auch bei den Eltern gut an.
Die Kitaleitung berichten mir, dass das Feedback der Eltern positiv ist und dass sie eben auch spüren, mit welcher Freude die Mitarbeitenden an der Arbeit sind und ich glaube, das ist das, was rauskommt. Da kommt jetzt keiner, der sagt: „Die spricht ja gar nicht richtig Deutsch oder irgendwie.“
Bei den Kitaleitungen war am Anfang so ein bisschen das Problem, dass sie gesagt haben: „Nicht, dass die Eltern meckern, weil ihre Kinder schon nicht gut reden können. Jetzt können die Erzieher auch schon nicht gut reden.“
Das Interessiert die Eltern gar nicht, die spüren die Freude und sind dann richtig begeistert davon.
Also das scheint wirklich unproblematisch zu sein. Wichtig ist eben, dass wir im Team auch klar kommunizieren, die werden noch nicht alles tun, was man eigentlich müsste, denn sonst gibt es immer schnell so Reibereien wie etwa: „Warum muss die das nicht machen? Ich muss das doch machen.“
In der Regel stellen wir die ja ein, weil wir ja eine Personallücke haben. Und dann stellen die Mitarbeitenden schon fest: „Wenn ich jetzt ein Elterngespräch mitführen muss, ist das nicht so dramatisch, als wenn ich gleich den ganzen Tag für die Person mitarbeiten müsste.
Richtig, aber der Punkt ist: normalerweise führt das bei Mitarbeitenden zu einer Unwilligkeit, wenn die mitbekommen, dass da 5 Leute mit dem gleichen Job sind, 2 davon aber irgendwie nicht das machen müssen, was die anderen müssen.
Aber wenn das klar kommuniziert ist, dann ist es ihnen klar und funktioniert.
Die werden überwiegend als neue Kolleginnen und Kollegen wahrgenommen, die uns hier helfen und positiv anzusiedeln sind. Also ich habe noch nichts Negatives gehört. Im Gegenteil: in manchen Kitas wird gefragt: „Wann bekommen wir auch mal eine Spanierin?“ Das passiert eher.
Das habe ich ja leider schon mal gemacht (lacht) und dann drei Monate später die Quittung bekommen als die Bewerber:innen zu den anderen Trägern gegangen sind.
Nein im Ernst. Ich empfehle das anderen Trägern – vor allem meinen katholischen Kolleg:innen. Und im Prinzip empfehle ich denen, das so zu halten, wie wir es gerade schon besprochen haben. Also zumindest am Anfang eine gewisse Empfangskultur zu haben.
Vielen Dank, Herr Lautwein!
